WIR – Kritik zum Doppelgängerhorror

Dass Regisseur Jordan Peele ein Händchen für Horror hat, bewies er 2017 mit dem grandiosen Überraschungserfolg Get Out. Sein neustes Werk Wir wurde entsprechend heiß erwartet und muss nun in große Fußstapfen treten. Schafft das der Film oder bleibt er im Schatten von Get Out zurück?

 

Die Story von WIR

Der Film beginnt zunächst mit einem Rückblick, der schon zeigt, wohin die Reise geht. Ohne das besonders viel passiert, baut Wir schon in den ersten fünf Minuten eine extrem dichte Atomsphäre aus, die das Herz schneller schlagen lässt. Die kleine Adelaide ist mit ihren Eltern im Freizeitpark von Santa Cruz unterwegs. Als ihr Vater beschäftigt ist, erkundet das kleine Mädchen auf eigene Faust die Umgebung und entdeckt ein unheimliches Spiegelkabinett. Dort entdeckt sie etwas, das ihr Leben verändern soll. Was das ist, verraten wir aus Spoilergründen nicht. Zeitsprung: Adelaide Wilson, ihr Mann Gabe und die gemeinsamen Kinder Jason und Zora wollen die Ferien im gemeinsamen Ferienhaus verbringen. Natürlich befindet sich das Haus in der Nähe des Freizeitparks aus der Vorgeschichte und so kommt es, wie es kommen muss. Beim gemeinsamen Ausflug nach Santa Cruz beginnt der Horror und Adelaide und ihre Familie müssen schon bald um ihre Leben fürchten. Mehr von der Story möchten wir an dieser Stelle nicht verraten. Wer sich nicht spoilern lassen möchte, springt direkt zum Fazit.

 

Unsere Kritik zu WIR

Im folgenden Abschnitt widmen wir uns näher den Stärken und Schwächen des Films, daher: letzte Spoilerwarnung!! Fangen wir mit dem positiven an: Die Atmosphäre von Wir ist der absolute Wahnsinn. Jordan Peele gelingt eine perfekte Mischung aus Grusel, Humor und ruhigeren Passagen. Hinzu kommt ein genialer Soundtrack, der nicht nur die Stimmung perfekt verstärkt, sondern teils so genial ausgewählt wurde, dass Songtext und Bild zusammen passen: Wenn die beiden Kids der Familie ein Haus betreten, in dem es ziemlich sicher bald schon hoch her geht und dann die Textzeile “It’s gonna be a bloodbath” aus dem N.W.A.-Track Fuck tha Police ertönt, zeigt das einfach, wie gut Peele auf das Gesamtbild achtet. Wir halten also fest: Soundtrack top, Atmosphäre top. Das größte Lob gilt allerdings den Schauspielern. Winston Duke, bekannt aus Black Panther, Evan Alex, Shahadi Wright-Joseph und allen voran Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o liefern eine derart überzeugende Leistung ab, dass es ein Fest ist zuzuschauen. Für alle Darsteller gibt es zwei Rollen: Die menschliche Figur und das böse Gegenstück. Alle Hauptdarsteller machen auf beiden Seiten einen hervorragenden Job. Die Angst und Verzweiflung der menschlichen Parts lässt uns mitfiebern und ist teilweise schmerzhaft authentisch. Auf der anderen Seite steht der Wahnsinn der bösen Gegenstücke. Gerade Lupita Nyong’o lässt hier das Blut in den Adern gefrieren!

Das klingt fast so, als sei Wir das perfekte Horrorerlebnis. Das kommt tatsächlich ganz darauf an, was man vom Film erwartet. Verlässt man sich voll und ganz auf die zuvor veröffentlichten Trailer, wird man vermutlich enttäuscht. Die vermittelten eher das Bild, Wir könnte ein klassischer Jump-Scare-Marathon mit viel Blut und Gewalt werden. Genau das ist Wir aber eben nicht. Der Horror springt hier nicht ins Gesicht, der Horror entfaltet sich durch die Lichtstimmung, durch den Sound, durch die Mimik des Ensembles. Wir haben es hier eben nicht mit dem x-ten Teil eines Conjurings zu tun. Ein großes Problem hat der Streifen zudem: Im Trailer wirken die Doppelgänger noch sehr dämonisch und mysteriös. Im Film ist das anfangs auch so. Doch ist das Grauen erst einmal bekannt, verliert es ein wenig seine Schockwirkung. Es ist wie in einem Computerspiel: Wenn man das Monster erst einmal gesehen hat, merkt man erst, dass man eigentlich keine Angst haben muss. Wir wagt hier vielleicht zu wenig, geht zu sehr auf Nummer sicher. Ein interessanterer Dreh bei den Doppelgängern wäre wünschenswert gewesene – auch wenn das Ende für offene Münder sorgen könnte. Wer auf klassischen Horror steht, dürfte mit Es – Teil 2 und Friedhof der Kuscheltiere in diesem Jahr noch zwei heiße Kandidaten im Rennen haben. Wer allerdings auf eine dichte Atmosphäre steht und sich auf ein verrücktes Szenario einlassen kann, der sollte sich Wir nicht entgehen lassen.

 

Informationen zu WIR

  • Originaltitel: Us
  • Laufzeit: 117 Minuten
  • Kinostart: 21. März 2016
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Lupita Nyong’o, Winston Duke, Elisabeth Moss

Trailer zu WIR

Fazit:

Geniale Atomsphäre
Tolle Schauspieler
Starker Soundtrack
Kaum Jumpscares
  • WIR
    “Wie stehe ich nun zu wir? Hat der Film das Potential zum Horrorfilm des Jahres? Für mich sicherlich nicht. Ist der Film ein Reinfall? Auch hier muss ich nein sagen. Wir ist mit Sicherheit nicht für die breite Masse gedacht. Wer einen Horrorfilm nach dem im Massenkino funktionierenden Schema F erwartet, wird enttäuscht. Wir setzt nicht auf billige Jumpscares. Wir erzeugt Spannung und Schrecken mit seiner dichten Atmosphäre und nicht zuletzt mit seinen tollen Darstellern. Wer sich darauf einlassen kann und das Glück hat, in einem Kinosaal zu sitzen, in dem die Leute nicht darüber lachen, dass einige Figuren gerade eine vermeintlich lustige Grimasse schneiden, wird sich gruseln. Alle anderen sparen sich den Weg ins Kino und warten auf den nächsten Teil von Annabelle, Conjuring und Co.”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

Ab in die Filmsammlung?

Wer Jumpscares satt hat, sollte sich Wir unbedingt im Kino ansehen. Alle anderen machen einen Bogen um den Streifen.

1 Kommentar

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