Halloween Haunt – Kritik zum brutalen Schocker

Pünktlich zu Halloween erschienen mit Halloween Haunt und Scary Stories to tell in the Dark zwei Schocker, die das Publikum in Angst und Schrecken versetzen sollen. Der erste Trailer machte große Laune auf Halloween Haunt und die beiden Regisseure Bryan Woods und Scott Beck bewiesen schon als Autoren von A Quiet Place, dass sie wissen, wie atmosphärischer Horror funktioniert. Dann noch Horrormeister Eli Roth als Produzent und der Erfolg ist quasi vorprogrammiert – denkt man… Warum Halloween Haunt dann doch auf ganzer Strecke enttäuscht, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Die Story von Halloween Haunt

Die Geschichte von Halloween Haunt spielt wenig überraschend an Halloween. Eine Gruppe Jugendlicher sucht nach dem besonderen Kick zur Gruselnacht und macht sich auf in Richtung eines Horrorhauses, das härter sein soll als alles, was die Kids bisher erlebt haben. Vor Ort werden sie von einem stummen Clown erwartet, der den Besuchern die Handys abnimmt und sie eine Verzichtserklärung unterschreiben lässt. Die Gruppe um Hauptfigur Harper betritt das Haus und weiß noch nicht, auf was sie sich da eingelassen haben. Während zunächst nämlich alles normal läuft, werden sie im zweiten Raum des Hauses Zeuge, wie ein junges Mädchen gefoltert wird. Zunächst glauben die Jugendlichen an ein gut inszeniertes Theater, doch als eine Teilnehmerin der Gruppe verschwindet und ihre Freunde zusehen müssen, wie sie brutal getötet wird, ist klar: Sie schweben in Gefahr. Ein Kampf um Leben und Tod entfacht, bei dem sich die Gruppe gegen die Erschrecker aus dem Horrorhaus durchsetzen muss.

Unsere Kritik zu Halloween Haunt

Wenn man die Kritik zu Halloween Haunt kurzfassen möchte, könnte man sagen, dass der Film einfach eine brutale Form von Escape Room ist, der dieses Jahr schon mit Belanglosigkeit “glänzte”. Im Endeffekt ist Halloween Haunt nämlich genau das: Ein langgestreckter Escape Room, in dem die Besucher nach und nach umkommen. Im Streifen selbst wird das Wort Escape Room sogar fallen gelassen, wird dank der deutschen Übersetzung aber zu “Flucht Raum” – wow.
Während es Escape Room aber noch schaffte, ein wenig Kreativität ins Spiel zu bringen, verlässt sich Halloween Haunt völlig und alleine auf seine Brutalität. Die Story ist derart dämlich und weist gigantisch große Logiklöcher auf, dass es zum Verzweifeln ist. Immer wieder werden kleine Nebenstories eröffnet, die dann ausnahmslos im Sand verlaufen.

Dumm, dumm, dumm

Widmen wir uns einigen dieser Nebenstories, damit die Absurdität, die damit verbunden ist, deutlich wird. So hat Hauptfigur Harper einen Freund, beziehungsweise einen Ex-Freund, der offenbar ein Alkoholproblem hat und nicht mit der Trennung von ihr klarkommt. Wieso bringt man diesen Charakter ins Spiel? Ist er am Ende für die Grauen im Horrorhaus verantwortlich? Nein, ist er nicht. Rettet er womöglich seine Ex und gewinnt ihre Liebe zurück? Nein, tut er nicht. Zwar versucht er es, lässt dabei aber sein Auto mitten in der Nacht (!), mit laufendem Motor (!), mitten in der Pampa (!) und mit offenen Türen (!) stehen. Klar, wie man das halt so macht, wenn man seine Exfreundin sucht. Im Endeffekt ist dieser Charakter für die Handlung völlig unbedeutend. Er stirbt im Laufe des Filmes, was niemals wieder aufgegriffen wird. Es ist einfach egal, ob die Figur überlebt oder nicht – für den Zuschauer sowieso und scheinbar auch für Harper, die kein Wort mehr darüber verliert.

Es tut weh

Das ist nur eines von vielen Beispielen. Warum nehmen die Jugendlichen einem Verfolger, den sie überwältigen können, nicht seine Schusswaffe ab? Wieso muss ein Killer, der vermeintlich doch nett ist, sein gruseliges Kostüm nicht ausziehen, sondern bleibt die ganze Zeit maskiert? Warum töten die Killer überhaupt? Und warum bauen sie dafür ein kompliziertes Geisterhaus? Halloween Haunt wirft derart viele Fragen auf, dass wir sie gar nicht alle aufzählen können.
Und dabei sind das nur die tiefergehenden Story-Probleme. Teilweise ist die Story so dünn erzählt, dass wir nicht mal wissen, ob eine Figur noch lebt oder inzwischen tot ist. Das wäre ein Problem, wenn der Film diese Rätsel später auflöst – macht Halloween Haunt aber nicht! Von den Dialogen wollen wir erst gar nicht anfangen… Den unrühmlichen Ruf, dass Horrorfilme dumm sind, rettet dieses Werk keinesfalls – im Gegenteil. Und das ist schade, da die Macher in der Vergangenheit doch schon bewiesen haben, dass sie es besser können…

Licht und Schatten?

Die Story von Halloween Haunt ist also absoluter Schrott und an Dämlichkeit kaum zu unter- beziehungsweise zu überbieten. Ist der Film denn wenigstens gruselig? Auch hier verschenkt der Film unfassbar viel Potenzial. Zwar gibt es durchaus unangenehme Passagen, doch bis man erst einmal dahin kommt, sind gefühlt schon 60 Minuten vergangen. Halloween Haunt braucht nicht nur unfassbar lange, um in die Gänge zu kommen, bis zum Abspann scheint der Film auch mit angezogener Handbremse zu fahren. Wirkliche Erschrecker gibt es nicht und am Ende bleiben nur einige wirklich brutale Szenen im Gedächtnis. Hier scheint der Einfluss von Elit Roth zu liegen, der in der Vergangenheit mit Hostel oder Cabin Fever für Furore sorgte. Halloween Haunt ist bei weitem nicht so hart wie Hostel, doch Zuschauer mit empfindlichem Magen sollten den Film eher meiden.

Und nun?

Was bleibt denn nun von Halloween Haunt? Leider nicht viel: Gruselig ist der Film nicht wirklich, die Story passt auf einen halben Bierdeckel, ach was, auf eine Briefmarke. Was bleibt, ist ein Horrortrip, der zwar dumm, aber hin und wieder doch atmosphärisch ist. Die einzelnen Räume im Horrorhaus sind okay gestaltet, der Sound und die Beleuchtung passen auch. Den Besuch im Kino sollte man sich dann aber doch sparen und lieber auf die DVD-Fassung warten. Das beste an Halloween Haunt ist dann leider doch ein sehr, sehr cooler Trailer, mit dem der fertige Film bei weitem nicht mithalten kann. Schade…

 

Informationen zu Halloween Haunt

  • Originaltitel: Haunt
  • Laufzeit: ca. 93 Minuten
  • Kinostart: 31. Oktober 2019
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Katie Stevens, Will Brittain, Andrew Caldwell

 

Trailer zu Halloween Haunt

Fazit:

Dumme Handlung, dumme Charaktere
Mäßig gruselig, dafür recht brutal
Viel Potenzial verschenkt
Macher von A Quiet Place können es EIGENTLICH besser
  • Halloween Haunt – Kritik zum brutalen Schocker
    “Ich habe mich extrem auf Halloween Haunt gefreut und bin schon lange nicht mehr so enttäuscht aus dem Kino gegangen. Dass hier kein storytechnisches Meisterwerk wartet, war mir irgendwie klar, doch dass ein Film 2019 noch SO dumm sein kann, hat mich dann doch negativ überrascht. Halloween Haunt bietet extrem viel Potenzial, das in keinem Bereich auch nur ansatzweise ausgeschöpft wird.”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

Ab ins Kino?

Das Geld für Halloween Haunt kann man lieber für die DVD-Version von Halloween ausgeben – der ist heute immer noch gut. Halloween Haunt ist es nicht.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Markierte Felder müssen ausgefüllt sein *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Passwort vergessen

Bitte gebe deinen Benutzernamen ein, damit wir dir eine E-Mail inklusive Link zum zurücksetzen schicken können.