Weltreise mit Buddha – Kritik zur deutschen Reisedoku

Das Kinojahr fällt bislang, aus bekannten Gründen, eher mau aus. Doch während große Blockbuster bisher auf sich warten lassen, steht der deutsche Kinomarkt keinesfalls still. Am 30. Juli läuft mit “Weltreise mit Buddha” ein Film an, den wohl die wenigsten auf dem Schirm haben dürften. Kein Wunder: Es handelt sich auf dem Papier um einen Dokumentarfilm zum Thema Buddhismus. Das klingt erst einmal… nennen wir es wenig spektakulär, entfaltet beim Betrachten dann aber doch seinen ganz eigenen Charme. Warum das so ist, klären wir in unserer Kritik zu Weltreise mit Buddha.

Die Story von Weltreise mit Buddha

Eine wirkliche Story gibt es bei Weltreise mit Buddha eigentlich nicht. Der deutsche Filmemacher Jesco Puluj möchte herausfinden, ob er selbst das Zeug zum Buddhisten hat. Dafür reiste er ein ganzes Jahr rund um die Welt und traf dort Leute, die sich dem Buddhismus auf völlig verschiedene Arten und Weisen verschrieben haben. Vom lustigen Einsiedlermönch in den Bergen Thailands, über die Bewohner eines strengen Nonnenklosters in China, bis hin zu einer Buddhismus-Comedy-Band in einer Bar in Japan ist alles dabei, was eben nicht den Klischees entspricht. DEN Klischeebudhisten sieht man in Weltreise mit Buddha kaum – und genau das macht es so interessant.

 

Unsere Kritik zu Weltreise mit Buddha

Jesco Puluj liefert mit Weltreise mit Buddha seinen ersten abendfüllenden Film und möchte mit ihm – ja was eigentlich? Offiziell gilt der Streifen als Dokumentation, doch ehrlicherweise fehlen dafür ein wenig die harten Fakten. Wie viele Buddhisten gibt es auf der Welt? Was sind die definierten Grundpfeiler? Gibt es eine Art Bibel, Koran oder ähnliches im Buddhismus? Und wie, was und wo überhaupt? Konkrete Antworten liefert der Film hier nicht, es gibt also keine Einführung, in der zunächst ein paar Fakten geklärt werden. Einige Fragen werden in Teilen von Pulujs Interviewpartnern beantwortet, doch wer erwartet, am Ende alle Wer-wird-Millionär-Fragen zum Thema Buddha und Co. beantworten zu können, wird wohl enttäuscht. Weltreise mit Buddha ist eher eine Art Reisetagebuch, ein Erlebnisbericht der Regisseurs.

Jung und Naiv

Jesco Puluj bedient sich bei seinem Streifen an einem cleveren Trick: Er ist genauso naiv wie die Zuschauer. Das klingt erst einmal gemein, ist aber eine große Stärke des Films. Wer keine tiefe Ahnung von Buddhismus hat, steht gefühlt mit dem Regisseur auf einer Ebene und wird sich daher die gleichen Fragen stellen, wie er es im Film tut. Gemeinsam packt man seinen Koffer (Puluj im Film, der Zuschauer gedanklich) und los geht die Reise um die Welt. Wie der Regisseur, fragt man sich auch vor der Leinwand: Könnte ich ein Buddhist sein? Könnte ich mich so aufgeben, dass ich ein besserer Mensch wäre? Diese verspielte Naivität und klare Einfachheit des Films, ist keine Schwäche, sondern das genaue Gegenteil. Wir, die Zuschauer, werden voll abgeholt und können der Reise optimal folgen.

Jung und… ?

Was auf der filmischen Ebene zu überzeugen weiß, stört beim Handwerk dann aber doch. Das fängt bei kleinen Fehlern in den Untertiteln auf, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn ein nicht-deutschsprachiger Interviewpartner zu Wort kommt, oder anders gesagt: ständig! Das ist normalerweise nicht störend, doch da der Film schon inhaltlich positiv (!) naiv daherkommt, sollten derartige Patzer auf der handwerklichen Seite eigentlich nicht auftauchen. Gleiches gilt für die Erzählstruktur: Der Film dümpelt ein wenig vor sich hin. Es fehlt eine spürbare Handlungskurve, ein Spannungsbogen. Klar, wir reden von einer Dokumentation, aber selbst hier sollte es zumindest einen einzigen Höhepunkt geben, auf den wir uns zubewegen. Ein solcher Höhepunkt fehlt in Weltreise mit Buddha leider völlig. Wenn man Gefallen an der Thematik und der Aufmachung findet, wird man plötzlich überrascht sein, dass der Film zu Ende ist. Wenn man nichts mit dem Thema anfangen kann, ziehen sich die 83 Minuten in endlose Längen.

Alles ein bisschen anders

Wir hatten es bereits kurz angesprochen, doch auf eine Sache möchten wir noch einmal eingehen: Es gibt in Weltreise mit Buddha so gut wie keine Klischees. Natürlich sehen wir betende und singende Mönche, aber gerade die Facetten, die man nicht mit einer Religion in Verbindung bringt, sind im Film besonders interessant hervorgehoben. Wer also schon immer völlig unvoreingenommen an eine Weltreligion herantreten wollte, ist mit Weltreise mit Buddha bestens ausgestattet. Auch wer mit Religion eigentlich gar nichts am Hut hat, könnte seine Freude mit dem Film haben.

Weltreise mit Buddha ist ein Film, den wohl kaum jemand auf dem Schirm haben dürfte. Das ist schade, denn die kleine deutsche Reisedoku vermittelt das Thema Buddhismus nicht mit dem erhobenen Zeigefinger oder dem Anspruch, den Zuschauer zu bekehren. Im Gegenteil: Puluj selbst sagt, dass er wohl kein Buddhist ist. Und das ist auch die Botschaft des Films: Sei, was du sein möchtest. Hier ist das Thema Buddhismus. Guck es dir an und mach damit, was du möchtest.

Informationen zu Weltreise mit Buddha

  • Originaltitel: Weltreise mit Buddha
  • Laufzeit: ca. 83 Minuten
  • Kinostart: 30. Juli 2020
  • Altersfreigabe (FSK): ab 0 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Jesco Puluj

 

Trailer zu Weltreise mit Buddha

Fazit:

Mehr Reisetagebuch als richtige Doku
Naive aber dadurch greifbare Herangehensweise an das Thema
Buddhismus ohne Bekehrung
Einige filmische Macken
  • Weltreise mit Buddha
    “Ich bin ehrlich: Als es hieß, geh mal los und guck dir Weltreise mit Buddha an, dachte ich boah, gut, muss wohl sein. Doch eigentlich ist es doch immer gleich: Niedrige Erwartungen können nur übertroffen werden und so war dieser Film eine echte Wohltat. Keine Hektik, eine angenehme Identifikationsfigur und spannende Interviewpartner. Ich bin gespannt, was Jesco Puluj als nächstes Projekt in Angriff nimmt.”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

Ab ins Kino?

In jedem von uns steckt ein Buddha – heißt es im Film. Also ist dieser Film für Dokuliebhaber durch die Bank zu empfehlen.

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