Follow Me – Kritik zum Social-Media-Horror im Escape-Room

Spätestens seit dem Erfolg von Saw und Hostel ist klar: Filme mit Escape-Room-ähnlichen Szenarien kommen mehr als gut beim Publikum an und können sogar mitunter richtig gut sein (ja, wir meinen dich, Saw 1). In den vergangenen Jahren schwappte daher eine riesige Welle Trittbrettfahrer auf den Markt, die ihren Fokus entweder auf die plumpen Folterungen legten oder aber auf die Escape-Room-Thematik. Escape Room und Halloween Haunt dürften wohl die größten Erfolge der jüngeren Vergangenheit sein. Nun kommt Follow Me daher und möchte scheinbar der legitime Nachfolger von Saw und Co. werden. Warum der Film daran jedoch scheitert, klären wir in unserer Kritik!

 

Die Story von Follow Me

Blogger Cole ist ein absoluter Megastar im Internet. Sein Handy immer in der Hand, filmt er alles, was er so erlebt und lässt seine Followerschaft daran teilhaben. In seiner zehnjährigen Karriere hat er dabei immer wieder versucht, an seine Grenzen zu gehen. Zum Jubiläum haben seine Freunde nun etwas ganz besonderes geplant: Sie reisen in einen extra für Cole hergestellten Escape Room in Moskau. Amerikanische Teenager in Osteuropa oder Russland – das geht immer gut, wie uns Hostel bereits gezeigt hat. Natürlich geht alles schief, was nur schief gehen kann und die Freundestruppe findet sich schnell in einem Kampf um Leben und Tod wieder.

 

Unsere Kritik zu Follow Me

Puh, wo fangen wir bei Follow Me nur an. Am besten ist wahrscheinlich, wenn wir vorne anfangen. Also: Die Story des Films ist natürlich kein Meisterwerk und maximal zweckmäßig. Ehrlich gesagt ist das aber gar nicht so schlimm, denn von einem Streifen wie Follow Me erwartet man sicherlich keine Inception-artige Geschichte, sondern ein Grundgerüst, um von fieser Falle zu fieser Falle zu leiten. Das klappt hier auch ganz gut. Es gibt einen einzigen Twist am Ende, der im Gesamtkontext zwar irgendwie extrem konstruiert und dumm wirkt, aber doch auf seine ganz eigene Art und Weise schön böse ist. Stichwort dumm: Selten haben wir in einem Horrorfilm dermaßen dumme Hauptcharaktere sehen müssen, wie in Follow Me. Das nimmt teils so dermaßen biblische Ausmaße an, dass wir der Dummheit von Follow Me eine eigenen Abschnitt widmen. Viel Spaß!

Dumm, dümmer, Cole Turner

Hauptcharakter Cole Turner ist dumm wie drei Meter Feldweg. Natürlich wollen wir diese kühne These beweisen und machen das anhand einiger Szenen. Wir versuchen natürlich darauf zu achten, nicht zu viel vorwegzunehmen. Wir erinnern uns: Cole ist ein erfolgreicher Blogger/Vlogger mit mehreren Millionen Abonnenten auf der ganzen Welt. Er wird sogar in einem russischen Club von zwei Damen angesprochen, die Fans seiner Videos sind. Dass ihn später ein Gangster dann mit seinem Namen anspricht und Cole völlig geschockt fragt, woher der Typ denn seinen Namen kennt – geschenkt. Dumm, aber verschmerzbar. Blöder wird’s dann aber in folgender Situation: Coles Freundin ist in einem Wassertank gefangen und droht zu ertrinken. Unser Mastermind hat vorher herausgefunden, dass der Tank einen Denkel mit rostigen, leichten Schlössern besitzt. Was macht er also, um seine große Liebe zu retten? Richtig, er steht ewig vor dem Tank, schaut ihr beim Ertrinken zu und heult rum, “Ich weiß nicht, was ich tun soll.” Dann die rettenden Idee: Mit einem schweren Gegenstand aus einer anderen Falle schlägt er… auf das massive Panzerglas. Klar, warum die leichten Schlösser zerstören, wenn man auch völlig hirnbefreit auf eine massive Glasplatte kloppen kann.

Es wird noch schlimmer

Beweisstück drei: Die Dumpfbackenparade, bestehend aus Cole und seinen Freunden, möchte aus dem tödlichen Escape Room fliehen. Superheld und Bloggernase Coli-Boy schnappt sich also ein massives Rohr und will die Tür aufbrechen. Reminder: Die Gruppe ist zuvor in diesem Raum fast gestorben und musste Todesqualen erleiden. Flucht war für alle das einzige Ziel. Nun will Cole also mit Gewalt die Tür aufbrechen und die Crew rastet aus, als hätten sie ihn gerade bei einem Mord erwischt. Fliehen und der Todesfalle entkommen ja gerne, aber bitte nicht mit Gewalt die Tür knacken – ist schließlich fremdes Eigentum. In einer anderen Szene flieht Cole mit seinem Kumpel vor einem ihrer Peiniger. Das Duo verschwindet durch ein Gitter im Boden in einen großen (!) Raum darunter. Der Folterer bricht durch die Tür und sucht die beiden natürlich. Und wo versteckt man sich dann? Klar, unmittelbar UNTER dem Gitter, von dem man auch einfach zwei Schritte weg gehen könnte, in die Dunkelheit, um völlig versteckt zu sein. Aber nein, das wäre zu smart.

Aber nicht nur die Teens sind doof wie Stroh, auch die Gangster selbst. Sieht man daran, dass einer der Schurken auf einen der Teenager zurennt. Blöderweise steht der vor einem offenen Fahrstuhlschacht. Ja, was passiert denn nun? Klar, beide stürzen in die Tiefe. Was hat der Bösewicht denn erwartet?! Wie ein Wähler der AfD rennt der Depp sehenden Auges in sein Verderben.

Und nun?

Okay, werden wir mal wieder ernst. Es ist natürlich nicht schlimm, wenn die Opfer in einem Horrorfilm ein wenig naiv daherkommen. Das war schon immer so und wird vermutlich auch immer so bleiben. Doch wenn selbst die Idiotenbande aus Halloween Haunt wie eine Nobelpreisträgervereinigung wirkt, hat man den Bogen vielleicht etwas überspannt. Zugegeben: Wenn so viele offensichtlich dumme Situationen auftauchen, wird man irgendwann extrem aufmerksam und ist schon von der leichtesten Unzulänglichkeit der Charaktere getriggert. Zudem stand uns nur die englische Sprachfassung zur Verfügung – die Deutsche vermag noch einiges zu retten (aber sind wir mal ehrlich: Die Grunddummheit bleibt ja). Was möchten wir also mit dieser Exkursion in die Beschränktheit des Films sagen: Achtet nicht auf die Sinnhaftigkeit, sondern schaltet definitiv euer Hirn ab, um ungefähr auf eine Ebene mit den Protagonisten zu kommen.

Im Westen nichts Neues

Kommen wir noch auf den Film an sich zu sprechen. Die Handlung kommt nur langsam in Fahrt, dreht aber in der zweiten Hälfte so richtig auf. Dann steigt auch der Härtegrad extrem an und Follow Me wird ziemlich dreckig – im besten Sinne. Tatsächlich erinnert der Film in den letzten 30 Minuten an eine Art Hostel Super Light. Insgesamt wirkt der Streifen auch ein bisschen realistischer als zum Beispiel Escape Room. Der legte seinen Fokus bekanntermaßen auf möglichst verrückte und überspitze Räume. Follow Me geht da einen eher geerdeten Weg, was uns sehr gut gefallen hat und die Vorfreude auf den kommenden Saw: Spiral noch einmal angestachelt hat. Aufgrund der offensichtlichen Vorbilder ist Follow Me auch weniger Horror- und viel mehr Terror-Film, ohne dabei aber je die Klasse der Vorbilder zu erreichen. Torture-Light ohne Jumpscares, um es anders auszudrücken.

Rätselhafte Rätsel

Noch ein paar Worte zu den Fallen und Rätseln. Die sind leider alle nicht der Rede wert. Hat man entweder schon in anderen Filmen gesehen, oder sie sind einfach völlig trivial. Die Charaktere selbst sagen sogar, dass eines der Puzzle stumpf aus Stirb Langsam geklaut wurde. Ihr wisst schon, Wassertanks, vier Liter und so. Die Macher geben sich also nicht mal die Mühe, ihre Ideenlosigkeit zu verstecken. Das ist verdammt ärgerlich. Eine nette Sache ist uns dann aber doch aufgefallen – auch wenn wir uns sicher sind, dass das von den Machern so nicht gewollt war. Die Tatsache, dass Superblogger Cole in der ersten Hälfte alles mit seinem Handy filmt, ist immens nervig. Tatsächlich ertappt man sich aber dabei, dass man ja selbst die Welt oft nur durch die Handykamera betrachtet. Sehen wir hier also einen Hauch Gesellschaftskritik? Vielleicht. Insgesamt wird das Thema Likes sammeln, alles für die Klicks machen und wie weit gehen wir für Klicks, recht prominent gezeigt. Ob das aber wirklich kritisch zu verstehen ist, oder nur Mittel zum Zweck ist, wird nicht wirklich klar. Da hilft es auch nicht, dass mit George Janko eben genau ein solcher YouTuber und Blogger mitspielt, der im Film vermeintlich kritisiert wird.

Unser Fazit…endlich

Lange Rede, kurzer Sinn: Schaltet man sein Hirn aus und erwartet NICHTS von der Story oder Logik des Films, kann man durchaus ein wenig Spaß mit Follow Me haben. Die Grundprämisse ist ja nach wie vor ganz cool. Teens, auf der Suche nach dem ultimativen Kick, werden Opfer ihrer eigenen Geltungssucht. Interessante Idee, kann zu einem coolen Film werden. Das ist bei Follow Me aber leider zu selten der Fall. Die Rätsel und Fallen sind völlig uninteressant, die Protagonisten derart dumm dass es weh tut und die finale Auflösung ist zwar schön böse und schwarzhumorig, aber auch sehr konstruiert. Ins Kino muss man für diesen Film also definitiv nicht.

 

Informationen zu Follow Me

  • Originaltitel: Follow Me
  • Laufzeit: ca. 88 Minuten
  • Kinostart: 20. August
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Keegan Allen, Denzel Whitaker, George Janko

 

Trailer zu Follow Me

Fazit:

Für Fans von Hostel und Escape Room
Die dümmsten Hauptcharaktere 2020
Netter aber konstruierter Twist
Völlig uninteressante Rätsel und Fallen
  • Follow Me – Kritik zum Social-Media-Horror im Escape-Room
    “Nach dem ersten Trailer stand Follow Me recht weit oben auf meiner Watchlist für dieses Jahr. Nach dem Gucken musste ich erstmal zwei Runden um den Block gehen, damit mein Gehirn wieder anfangen konnte zu arbeiten. Einen derart himmelschreiend blöden Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Traurigerweise hatte ich doch ein wenig Spaß mit Follow Me – was sagt das über mich aus? Ich bin von mir selbst schockiert.”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

Ab ins Kino?

Wer von Dummheit getriggert wird, macht einen gigantisch großen Bogen um Follow Me. Wer damit kein Problem hat und darüber hinwegsehen kann, gibt dem Film eine Chance.

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