The Mortuary: Jeder Tod eine Geschichte – Kritik zum Horror-Tipp

Die Corona-bedingte Verschiebung von Halloween Kills auf das Jahr 2021 hat einen gruseligen Spot freigeschaufelt. Welcher Film darf um den 31. Oktober herum Angst und Schrecken in den Kinos verbreiten? Der Wettbewerb ist jedoch schon vorher entschieden, denn mit The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte startet am 22. Oktober nicht nur der kreativste Horrorfilm des Jahres, sondern vermutlich auch einer der besten Kinofilme 2020 überhaupt. Zugegeben, die Konkurrenz ist nicht besonders groß, doch das Kinofilm-Regiedebüt von Ryan Spindell hat auch ohne Konkurrenz einiges zu bieten! Wir erklären, warum Horrorfans nicht an diesem Episodenfilm vorbeikommen.

Die Story von The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

Richtig gelesen: Bei The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte handelt es sich um einen Episodenfilm. Das heißt, der Film erzählt eine grobe Rahmenhandlung, die die kleineren Geschichten umschließt. In der umfassenden Handlung geht es um den unheimlichen Montgomery Dark, der die namensgebende Leichenhalle betreibt. Eines Tages kommt ein junges Mädchen zu ihm und bewirbt sich um eine Aushilfsstelle in der Leichenhalle. Im Laufe des Bewerbungsgesprächs erzählt Mr. Dark einige schaurige Geschichten, die wir als Zuschauer als kleine Filmchen erleben dürfen.
Die erste Geschichte ist schnell erzählt. Es geht um eine junge Dame, die auf einer Party auf mysteriöse und morbide Art und Weise ihr Leben lassen muss.

In Kurzgeschichte Nummer zwei wird es dann schon ein bisschen absurder. Der Schulcharmeur Jake schleppt auf einer Party ein Mädchen ab – eines kommt zum anderen. Am nächsten Morgen ist seine Bettgespielin verschwunden und Jake wird von mysteriösen Bauchschmerzen geplagt, die in einem grauenvollen und furchtbar ekelhaft in Szene gesetzten Tod enden. Story drei handelt von einem jungen Ehemann, der sich um seine komatöse Gattin sorgt und eines Tages nicht mehr mit seiner Lebenslage klarkommt. Er beschließt, seine Frau zu töten. Dass das nicht so einfach abläuft, dürfte jedem Zuschauer klar sein… Die finale Kurzgeschichte hört auf den klangvollen Namen The Babysitter Murders und ist die wohl coolste Story des Films. Wir wollen gar nicht so viel verraten, nur so viel: Denkt lieber doppelt nach!

Unsere Kritik zu The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte spielt nahezu die komplette Klaviatur der Emotionen. Wir lachen, ekeln uns, gruseln uns und leiden mit. Schon lange war ein Horrorfilm nicht mehr derart breit aufgestellt und konnte vor allem über die gesamte Laufzeit begeistern! Vermutlich schaffen es aber auch nur Episodenfilme wie V/H/S oder die ABCs of Death, derart unterschiedliche Facetten zu bieten. Apropos ABCs of Death: Wer bereits einen der beiden Horrorfilme gesehen hat, weiß in etwa, worauf er sich bei The Mortuary einlässt. Zwar sind die ABCs noch ein bisschen härter, doch der Grad des Wahnsinns passt schon gut zusammen.

Lachen, weinen, leiden

Schauen wir uns die einzelnen Episoden einmal chronologisch genauer an. Wir beginnen mit der Paryt-Story und müssen direkt zugeben, dass es so viel gar nicht zu sagen gibt, außer eines – und das gilt für alle Geschichten: Die Optik von The Mortuary ist über jeden Zweifel erhaben. Klar, der Film ist düster und auch irgendwie inhaltlich dreckig, gleichzeitig wirkt aber alles verdammt clean und wie in einem Werbefilm. Das ist auf keinen Fall negativ gemeint. Diese Ästhetik wirkt extrem cool und passt perfekt zum Film. Kurzgeschichte zwei, nennen wir sie den One-Night-Stand, ist nicht nur auf ihre ganz eigene Art und Weise lustig, sondern gerade gegen Ende mehr als ekelhaft. Gerade die Herren der Schöpfung dürften beim Angucken Schmerzen haben… Tatsächlich transportiert der Film hier sogar eine kleine lehrreiche Message, die sehr kreativ verpackt wurde.

Die Tränen kullern…

Die dritte Kurzgeschichte ist gerade für Verliebte ein heikles Thema. Was wäre, wenn der Partner plötzlich gepflegt werden muss? Was wird aus, “Bis dass der Tod euch scheidet”? Genau diese Frage muss sich auch der Protagonist dieses Kurzfilmes stellen. Der innerliche Verfall des liebenden Ehemannes wird dabei deutlich spürbar und wir ertappen uns bei dem Gedanken, wie er wohl aus dieser Misere entkommen kann. Doch wie der Protagonist zweifeln wir auch: Mord kann doch keine Lösung sein?! Während die bisherigen Filme eher skurril und hart waren, ist die dritte Episode wirklich anrührend – und dabei skurril und hart. Die finale Episode schließt nicht nur den Bogen zur umfassenden Rahmenhandlung, sie fährt auch einen extrem coolen Twist auf, den man zwar erahnen kann, der aber dennoch seine Wirkung nicht verfehlt. Regisseur Ryan Spindell beendet seinen letzten Kurzfilm mit einem absoluten Knaller, der dann sogar noch Auswirkungen auf die Rahmenhandlung hat und die Tür für einen möglichen zweiten Teil aufstößt.

Horror-Heaven?

Ist denn nun alles perfekt im Horror-Paradies? Wir müssen zugeben: Ja, so ziemlich. The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte ist ein wirklich exzellenter Episodenhorrorfilm, bei dem die Darsteller stimmen, die Optik eine absolute Wucht ist, viele Twists auf uns warten und bei der etliche Emotionen abgeholt werden. Gut, einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es vielleicht, den Halloween Kills dieses Jahr vermutlich besser gelöst hätte. Wirkliche Erschrecker kann The Mortuary nicht auffahren. Jump-Scares gibt es (glücklicherweise) genauso wenig, wie atmosphärisch dichten Horror. Dennoch ist der Film sicherlich nichts für Zartbesaitete und mit seiner FSK 16er-Freigabe mehr als gut davongekommen. Die unheimlichen Geschichten und morbiden Todesarten der einzelnen Shortstories machen The Mortuary aber dennoch zum sehenswertesten Horrorfilm des Jahres und zu einem echten Überraschungshit. Die Horrorkrone geht 2020 definitiv an dieses Werk!

Informationen zu The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

  • Originaltitel: The Mortuary Collection
  • Laufzeit: ca. 108 Minuten
  • Kinostart: 22. Oktober 2020
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Clancy Brown, Caitlin Fisher, Jacob Elordi

Trailer zu The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

Fazit:

Episodenhorror a la V/H/S oder ABCs of Death
Von lustig über gruselig bis ekelhaft ist alles mit dabei
Extrem schicke Optik
Langfilmdebüt von Regisseur Ryan Spindell
  • The Mortuary
    “Ich muss zugeben, dass ich vor der Sichtung noch NICHTS von The Mortuary gehört hatte. Entsprechend klein waren meine Erwartungen an den Film. Ich wusste nur, dass es irgendwas mit Horror sein soll – und da ich auf diesem Feld schon derart viel gesehen habe, konnte mich das nicht wirklich begeistern. Umso erfreulicher war es dann aber, wie unfassbar gut mir dieser Episodenhorror gefallen hat. Coole Geschichte, eine geniale Optik und ein perfektes Timing machen The Mortuary für mich zum Kinofilm des Jahres (eine Woche nachdem ich Jim Knopf und die wilde 13 als eben das bezeichnet habe).”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

Ab ins Kino?

Für Horrorfans ein absolutes Must-See in diesem Jahr!

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