Bloodline – Kritik zum Blumhouse-Slasher

Zu hart für die FSK – so lautete einer der Werbeclaims, mit denen Bloodline vor wenigen Monaten im Netz umhergetragen wurde. Der 2018er-Blumhouse-Slasher sollte 2020 endlich für die deutschen Heimkinos erscheinen – und scheiterte an der deutschen Altersfreigabe. Kein Problem, dachte sich Vertriebspartner Nameless und brachte einige (natürlich streng limitierte) Mediabooks auf den Markt, die Nameless-typisch sehr schnell vergriffen waren und mittlerweile je nach Cover teuer gehandelt werden. Dann der Wendepunkt: Im zweiten Anlauf bekam Bloodline seine FSK-18-Freigabe und 2021 kommen normale DVDs und Blu-Rays auf den Markt. Wir haben den Film gesehen und klären, ob sich der ganze FSK-Irrsinn gelohnt hat oder ob der Film lieber limitiert geblieben wäre…

Die Story von Bloodline

In Bloodline geht es um den Vertrauenslehrer Evan. Evan und seine Frau sind erst kürzlich Eltern geworden und der junge Mann lässt keinen Zweifel daran, dass er für seinen neugeborenen Sohn alles tun würde. Nachts ist Evan oft unterwegs, wenn er nicht schlafen kann und entführt Menschen, die er dann grausam ermordet. Das macht er allerdings nicht zum Spaß, sondern nach einen ganz speziellen Muster. Als Vertrauenslehrer bekommt er von den Problemen seiner Schüler Wind. Wenn diese Probleme daraus bestehen, dass die Schüler von ihren gewalttätigen Vätern oder Onkeln geschlagen oder missbraucht werden, werden sie von Evan besucht und letzten Endes getötet. Da der mordende Vertrauenslehrer selbst so etwas erleben musste, möchte er seine Schüler schützen. Natürlich fliegt das Morden irgendwann auf und Evan muss sich entscheiden: Steht er zu seiner jungen Familie oder zu seinem mörderischen Trieb?

Unsere Kritik zu Bloodline

Wer beim Lesen der inhaltlichen Zusammenfassung an die Serie Dexter denken muss, liegt gar nicht so daneben. Tatsächlich erinnert Bloodline von der Thematik extrem an die Erfolgsserie, die schon bald eine neue Staffel bekommen soll. Wenn man genau hinsieht, ähneln sich die Hauptdarsteller sogar ein wenig: Michael C. Hall als Dexter und Seann William Scott als Evan. Apropos William Scott…

Ist das nicht der aus American Pie?

Die meisten Zuschauer werden Seann William Scott (ja, mit zwei N) als Steve Stifler aus American Pie kennen. Seinen Rolle in den beiden Filmen könnten aber gar nicht unterschiedlicher sein. So kalt und unbarmherzig wie in Bloodline haben wir Scott noch nie gesehen. Seine Morde begeht er mit einer tödlichen Präzision, dass er Dexter in nichts nachhängt. Wie sein Seriengegenstück glaubt Evan dabei stets daran, dass er etwas Gutes tut – bis einer seiner Schüler unerwartet heftig um seinen prügelnden Vater trauert und schließlich sogar Evans Familie in Gefahr bringt. Seann William Scott spielt seine Rolle derart überzeugend, dass man es vor dem Bildschirm mit der Angst zu tun bekommt. Die restlichen Darsteller im Film verblassen leider ein wenig neben der grandiosen Vorstellung von Scott.

Was auf die Ohren

2020 konnte uns vor allem ein Film mit seinem Soundtrack voll und ganz abholen: Guns Akimbo. Doch mit Bloodline bekommt der schrille LSD-Actiontrip einen harten Konkurrenten. Bloodline geht dabei vom Soundbild in eine völlig andere Richtung. Die düsteren, atmosphärischen Synth-Sounds erinnern fast schon an Drive oder Bladerunner. Hier passt wirklich alles: Der kühle und abgezockte Look des Films wird genial von den minimalistischen Klängen ergänzt. Optisch und klangtechnisch gibt es am Blumhouse-Slasher nichts zu mäkeln. Die Effekte passen auch und sind definitiv nichts für schwache Mägen – aber dazu gleich mehr.

Die FSK-Sache…

So und jetzt mal Butter bei die Fische und zur Altersfreigabe. Zunächst ein paar ernste Worte: Wie im Falle von Bloodline mit den zahlenden Kunden umgegangen wird, ist eine absolute Frechheit. Zu hart für die FSK, keine Altersfreigabe, bedeutet in Deutschland nun einmal: Kein Verkauf bei Amazon, Mediamarkt und Co. Also muss man, sofern man den Film im Regal stehen haben möchte, auf entsprechende Veröffentlichungen abseits des Großhandels warten. Bei Bloodline wurden also teure Mediabooks auf den Markt bzw. zur Vorbestellung geschmissen, die teils das Drei- oder Vierfache einer normalen Blu-Ray kosten. Hier schwingt natürlich immer noch die Info mit, dass der Film nur so erscheinen wird. Dann ist alles ausverkauft und die Mediabooks sind auf dem Weg zu den Käufern und plötzlich gibt es doch eine Altersfreigabe (im zweiten Anlauf) und die Ankündigung einer regulären Heimkinoveröffentlichung. Die Mediabooks sind zu diesem Zeitpunkt natürlich schon ausgeliefert…

18 oder nicht?

Aber lohnt sich der ganze Aufriss denn nun: Ist Bloodline wirklich zu hart für die FSK? Na offensichtlich nicht, denn sonst hätte es die nachträgliche Altersfreigabe nicht gegeben. Und auch abseits davon muss man schon sagen, dass dieser Streifen jetzt nicht viel härter ist, als das, was eh schon in den Regalen bei Saturn und Co. steht. Ein Saw oder auch die John Wick-Reihe sind ebenso zeigefreudig wie Bloodline. Auch hier heißt es also mal wieder: Viel Lärm, PR und Aufsehen um Nichts. Diese ganze Drumherum ist vor allem sehr schade, da Bloodline all das gar nicht nötig hat. Der Film ist ein durchaus solider Slasher, der ein bisschen vor sich hindümpelt und bis auf das überraschende Ende kaum etwas Außergewöhnliches zu bieten hat. Doch für Fans derartiger Filme ist Bloodline ein guter Jahresabschluss. Ab dem 21. Januar 2021 steht der Film dann auch regulär in den Händlerregalen – ganz ohne Limitierung und für einen fairen Preis.

Informationen zu Bloodline

  • Originaltitel: Bloodline
  • Laufzeit: ca. 99 Minuten
  • Heimkinostart: 16. Oktober 2020 (Mediabooks)/ 21. Januar 2021 (DVD und Blu-Ray)
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Seann William Scott, Mariela Garriaga, Dale Dickey

Trailer zu Bloodline





Fazit:

Kühler Slasher
Seann William Scott zeigt ein neues, furchterregendes Gesicht
FSK 18 gerechtfertigt
Ganzer Wirbel drumherum völlig überflüssig
  • Bloodline
    “Vielleicht hat man es an der Kritik erkannt: Ich gehöre zu den Käufern des teuren Mediabooks. Für mich persönlich ist das nicht so schlimm, weil ich den Film gut finde und bereit bin, für einen guten Film, viel Geld auszugeben. Doch wie hier mit den Kunden umgegangen wird (FSK ja/nein), finde ich einfach absolut sch***e. Zum Film ist in der Kritik alles gesagt: Schaut ihn euch an.”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

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