Trauma Center – Kritik zum “Bruce Willis”-Film

Wir beginnen unsere Kritik heute mal mit einer vielleicht ungewöhnlichen Frage: Kennt ihr den Film License to Kill mit Denzel Washington und das dazugehörige DVD-Cover? Darauf ist Washington mit einer Maschinenpistole im Anschlag zu sehen – und der geneigte Käufer erwartet im Zusammenspiel mit dem Namen und der FSK-16-Freigabe einen soliden Actionkracher. Tatsächlich ist License to Kill ein Gerichtsdrama, in dem Denzel Washington eine eher untergeordnete Rolle spielt. Warum erzählen wir euch das? Nun, Trauma Center als Bruce-Willis-Film zu verkaufen, ist zwar nicht so frech wie die License-to-Kill-Geschichte, doch lest selbst:

Die Story von Trauma Center

Die junge Frau Madison wird Zeugin, wie zwei korrupte Cops auf offener Straße einen Mord begehen. Sie wird bei dem Schusswechsel selbst angeschossen und landet mit einer Kugel im Bein im Krankenhaus. Leider ist diese Kugel der einzige Hinweis auf die Identität der Mörder, die nun versuchen, sie kalt zu machen, um alle Hinweise verschwinden zu lassen. Madisons einzige Rettung ist Detective Wakes, der parallel versucht, den Mördern aka seinen Kollegen auf die Spur zu kommen. Wakes lässt Madison ins namensgebende Trauma Center im Krankenhaus verlegen, was für sie schnell zur Todesfalle anstatt zur Lebensrettung mutiert…

Unsere Kritik zu Trauma Center

Wir hatten es schon angedeutet und wollen es nun noch einmal in aller Deutlichkeit sagen: Trauma Center als “Bruce Willis”-Film zu bezeichnen, grenzt an Kundenverarsche. In Trailern, Promomaterial und sonst wo ist der glatzköpfige Actionheld natürlich immer im Vordergrund zu sehen – Bruce Willis ist schließlich ein großer Name und verspricht bzw. versprach immer solide bis sehr gute Action. Auf 87 Minuten Laufzeit hat Willis dann aber in etwa 8 bis 10 Minuten Screentime. Wir haben es nicht mit der Stoppuhr gemessen, doch wirklich wichtig ist seine Rolle für den Verlauf der Handlung nicht. Klar, er spielt den Good Guy, aber Nicky Whelans Rolle Madison weiß sich auch selbst zu helfen, tötet ihren Verfolger im Finale sogar eigenhändig. Aber mit einer Whelan auf dem Cover verkauft sich ein Film natürlich nicht so gut, wie mit Bruce Willis. Für den ist ein solcher Film natürlich schnell verdientes Geld…

Und sonst?

Damit haben wir die Willis-Thematik aus dem Weg geräumt und wir können uns dem Film an sich widmen. Taugt der wenigstens etwas? Wenn wir ehrlich sind, nicht wirklich. Die Geschichte an sich klingt ja durchaus solide. Doch wenn man aus dem Plot ein wirkliches Kammerspiel gestrickt hätte, das nur im Krankenhaus spielt und einzig von der Jagd der beiden Cops auf ihre Zeugin handelt – das wäre cool gewesen. Doch in Trauma Center muss natürlich irgendwie die langweilige Ermittlungsarbeit von Willis gezeigt werden. Die ist aber so unerheblich und langweilig, dass sie sogar irgendwann regelrecht nervt. Die beiden bulligen korrupten Cops geben tatsächlich gute, hassenswerte Antagonisten ab. Wir fiebern in den besten Momenten mit, ob Madison den bewaffneten Killern entkommen kann.

Es kommt nicht auf die Größe an…

Ein kleineres Umfeld hätte Trauma Center so, so gut getan. Eine Szene streift zumindest an der möglichen Power vorbei. Hier ist Madison in einem Raum gefangen, vor der Tür stehen ihre Verfolger. Ein Entkommen scheint nicht möglich und nach einem längeren – zwar strunzdummen, aber besser als nix – Gespräch, versuchen die Gauner, in den Raum zu gelangen. Wir fiebern mit: Kann Madison der Falle entkommen? Wie überlebt sie schwer verletzt diese Lage? Das ist kein weltbewegendes Highclass-Spannungserlebnis, doch zumindest nicht völlig einschläfernd. Trauma Center hat die richtigen Zutaten, vermischt sie jedoch zu einem völlig dämlichen Mix.

Optik, Sound und Co.

Audiotechnisches Highlight des Filmes ist natürlich Manfred Lehmanns Reibeisenstimme für Bruce Willis. Die Optik ist knackig sauber, der Sound geht völlig in Ordnung. Hier gibt es nichts zu bemängeln, aber auch nichts, was man besonders hervorheben müsste. Gleiches gilt für die Darstellerriege. Bruce Willis spielt im Prinzip die gleiche Figur, die er immer spielt, die beiden Schurken sind schön schurkig und das Opfer ist schön, naja, opferig. Die FSK-16-Freigabe geht auch völlig klar. Alles in allem ist Trauma Center ein solider Film, der seine Chancen jedoch klar liegen lässt. Zudem ist das Marketing rund um Bruce Willis, eine absolute Frechheit. Wer 2020 einen wirklich guten Actionfilm sehen will, sollte lieber auf Alternativen wie Guns Akimbo zurückgreifen.

Informationen zu Trauma Center

  • Originaltitel: Trauma Center
  • Laufzeit: ca. 87 Minuten
  • Heimkinostart: 10. Dezember 2020
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Bruce Willis, Nicky Whelan, Tito Ortiz

Trailer zu Trauma Center





Fazit:

Actionthriller, der viele Chancen liegen lässt
Bruce Willis hat kaum Screentime
Gute Schurken, Story dagegen nur okay
High- und Lowlight arm - solide eben
  • Trauma Center
    “Ich hatte vor der Sichtung für diese Kritik noch nichts von Trauma Center gehört – und werde den Film wohl auch sehr schnell wieder vergessen. Hier bleibt nichts im Gedächtnis, außer die freche Vermarktung rund um Bruce Willis. Schade, ein weiterer B-Movie-Trash mit dem Stirb-Langsam-Helden…”
    Lukas Hesselmann, Redakteur

Ab in die Filmsammlung?

Machen wir es zur Abwechslung mal kurz: Nö.

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